Umzug von Erdkröte & Co.

Bei Rulfingen werden in der Regel von Mitte Februar bis Mitte April Krötenzäune aufgestellt, um die Amphibien während ihrer Wanderung zu schützen. Diese Zäune verhindern, dass die Tiere beim Überqueren der Straße überfahren werden, indem wir sie in eingegrabene Eimer leiten und täglich einsammeln.

Der Amphibienzaun, den unsere NABU-Gruppe an der Straße zwischen Rulfingen und Rosna betreut, hat aber noch eine Besonderheit. Er dient dazu, die jährlich wandernden Amphibien in ein 2016/17 neu angelegtes Ersatzlaichgewässer umzusiedeln. Dazu werden die Amphibien, die zu ihrem angestammten Geburtsgewässer wandern, von uns abgefangen und zum Ersatzlaichgewässer gebracht, um dort abzulaichen. Damit sollte langfristig der Amphibienzaun überflüssig werden, wenn die Amphibien das neue Gewässer angenommen haben.

Erfolgreiche Ausbeute / Foto: NABU/Franz Laub
Ersatzlaichgewässer mit Laichkörben / Foto:NABU/Franz Laub

Die Geschichte dieser Umsiedlungsmaßnahme reicht bis ins Jahr 2012 zurück.

Im November 2012 starteten wir das Projekt mit einer Besichtigung der Situation an der Rosnaer Straße. Danach begann die Suche nach einem geeigneten Grundstück für die Anlage eines Ersatzlaichgewässers. Im Oktober 2015 übernahm die NABU-Gruppe die Rolle des Maßnahmenträgers. Nach der Erkundung des gefundenen und von der Stadt Mengen bereitgestellten Grundstücks folgte die Planung der weiteren Schritte.

Im Februar 2016 wurde der Planungsvorschlag fertiggestellt. Die Bauarbeiten begannen mit der Anlage von Entwässerungsgräben. Im August 2016 begannen die Arbeiten am Laichgewässer. Während der Umsetzung wurden die Planung und die Lage des Beckens mehrfach geändert. Zudem erwies sich die vorgefundene Bodenqualität als ungeeignet, so dass das Dammprofil angepasst werden musste. Diese Änderungen führten zu erheblichen Mehrkosten und Turbulenzen.

Trotz der aufgetretenen Schwierigkeiten fand im Januar 2017 die vorläufige Bauabnahme durch das Landratsamt, Vertreter des NABU und weiterer Beteiligter statt. Bereits am 7. März 2017 wurden die ersten Laichkäfige eingesetzt und damit das Projekt in Betrieb genommen. Auch die finanzielle Situation entspannte sich durch einen positiven Bescheid des Landschaftspflegefonds.

Im März 2017 wurden die ersten Amphibien in die Laichkäfige eingesetzt und das Projekt damit bauseits erfolgreich abgeschlossen. Das war aber nur der erste Teil der Maßnahme.

Jahr für Jahr werden jetzt im Frühjahr die Amphibien abgefangen und zum neuen Laichgewässer transportiert. Beiliegende Grafik zeigt die penibel registrierten Zahlen der unterschiedlichen Spezies am Beispiel von Erdkröte und Bergmolch aus den einzelnen Jahren. Es zeigen sich zwei unterschiedliche Trends. Bei den Erdkröten änderte sich praktisch nichts, die Bergmolche dagegen strebten nach zwei Jahren offensichtlich kaum noch dem „alten“ Gewässer entgegen. Der Grasfrosch zeigt ein ähnliches Verhalten wie die Erdkröte. Aber Teichfrosch und Teichmolch zeigen ähnliche Tendenzen wie der Bergmolch.

Die Ursachen sind vielfältig und müssen durch Fachleute beurteilt werden. Das erreichbare Alter könnte da eine Rolle spielen aber auch das unterschiedliche Wanderungsverhalten. Ob und wann das Ersatzlaichgewässer die bei der Planung zugrunde gelegte Reduktion der Wanderungen und damit den Verzicht auf die jährliche Nutzung des Amphibienzaunes erreicht, ist völlig offen. Nach den Zahlen bei den Erdkröten, die den mit Abstand größten Anteil der Amphibien ausmachen, erscheint ein kurzfristiges Ende zumindest fraglich.

Auf die Gesamtanzahl der Tiere wirkt sich das zusätzliche Gewässer aber auf jeden Fall positiv aus. Damit entstand eine zweite Population, und darauf können wir mit Recht stolz sein.

Auswertung der Amphibiensammlung