Kiebitze bei Neunbrunnen
Die frühere Donaulandschaft war eine typische offene Weidelandschaft mit einem Wechsel von Feuchtgebieten und Magerwiesen. Da aber Magerwiesen, Tümpel, Kies- und Sandbänke durch den Einfluss des Menschen immer mehr verloren gingen, veränderte sich auch die Tier- und Pflanzenwelt.
Diese ehemals offene Kulturlandschaft hatte unter anderem einen typischen Bewohner – den Kiebitz. Da der Mensch diesen Lebensraum immer weiter eingeschränkt hat, ist auch die Zahl dieser schönen Tiere in den letzten Jahren rapide zurückgegangen. War der Kiebitz vor 25 Jahren noch ein Allerweltsvogel, so schätzte man für das Jahr 2020 in ganz Oberschwaben nur noch 200 bis 400 Tiere. Im selben Jahr wurden z.B. im gesamten Gebiet um Blochingen noch 8 Kiebitzpaare beobachtet. Es war also höchste Zeit, etwas zu unternehmen. Auch um auf diese Entwicklung aufmerksam zu machen, sie zu stoppen und umzukehren, wurde der Kiebitz zum Vogel des Jahres 2024 gewählt (Link zur Homepage des NABU-BW).
Aus den oben genannten Gründen startete bereits 2018 die NABU-Gruppe Mengen-Scheer-Hohentengen-Ostrach ihr Kiebitzprogramm. Besonderes Augenmerk richteten wir zunächst auf das Gebiet Neunbrunnen.
Diese Gemarkung „Neunbrunnen“ zwischen Blochingen, Beuren und Hundersingen wird seit 2019 von einer Wasserbüffelherde beweidet, die dafür sorgen soll, dass sie nicht weiter verbuscht und die hohe Vegetation zurückgedrängt wird. Die Weidefläche ist Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000, das gefährdete heimische Pflanzen- und Tierarten schützen und erhalten soll. Von der Offenhaltung der Landschaft durch die Wasserbüffel profitiert auch der Kiebitz.
Im Gebiet Neunbrunnen unternahmen wir 2020 einen ersten Versuch, die Kiebitzgelege mit Schutzkörben über den Nestern vor ihren Feinden zu schützen. Nach unseren Erfahrungen überlebte etwa die Hälfte der Jungvögel. Diese Körbe halfen einmal, ein anderes Mal nicht.
Im Jahr 2023 ging man noch einen Schritt weiter. Wir bauten wir ein elektrischen Weidezaun um das Kiebitzgebiet auf, um insbesondere Füchse und Marder fernzuhalten. Im Winter 2023/24 wurde durch die Naturschutzbehörde das Gebiet von Gestrüpp und Bewuchs befreit, und es wurden künstliche Tümpel angelegt. Auf dieser insgesamt doch relativ kleinen Fläche konnten im Jahr 2023 dann 6 Kiebitzpaare und im Juni acht Jungvögel gezählt werden.
Mit den Erfahrungen aus 2023 wurde das Programm im Folgejahr 2024 mit der Errichtung des Weidezaunes fortgesetzt. Die Bruterfolge des Jahres 2024 lassen sich auf Grund des jetzt etwas unübersichtlicher gewordenen Geländes nur grob einschätzen.
Was man aber sagen kann: Auch zu Jahresanfang 2025 wurden schon wieder die ersten 12 Kiebitze gesichtet.
Nicht unerwähnt soll bleiben, dass es eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg solcher Projekte ist, eng und vertrauensvoll mit den Landwirten auf den betroffenen Flächen zusammenzuarbeiten. So müssen die Büffel, die das Gebiet beweiden, zu Beginn der Brutzeit aus Rücksicht auf die Kiebitzgelege von Teilen der zu beweidenden Flächen ferngehalten werden, damit sie nicht versehentlich diese Gelege zertreten. Die Absprachen mit dem Landwirt Peter Reck funktionierten hier sehr gut. Und wichtig ist ebenso die Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Naturschutzbehörden.
Von unserer NABU-Gruppe ist die Fortsetzung dieses Projektes genau wie die des Kiebitzprojektes im Bereich Sauldorf fest eingeplant.
Mit diesen Maßnahmen wollen wir dazu beitragen, eine Tierart in unserer Gegend zu erhalten. Dafür suchen wir auch noch freiwillige Helfer, die sich aktiv an den Schutzmaßnahmen beteiligen. Zu diesen Maßnahmen zählen der Auf- und der Abbau der Schutzeinrichtungen sowie das Monitoring.

