Kiebitze bei Sauldorf

Der Kiebitz (Vanellus vanellus) ist ein Bodenbrüter, der offene Wiesen und Feuchtgebiete bevorzugt. Durch intensive Landwirtschaft, Flächenversiegelung und den Verlust von Feuchtgebieten sind seine natürlichen Lebensräume stark zurückgegangen. In Baden-Württemberg steht der Kiebitz auf der Roten Liste und gilt als vom Aussterben bedroht.

In Sauldorf kam dem Kiebitz zunächst der Zufall zu Hilfe. Im Jahr 2023 entdeckten Kiebitze einen feuchten Acker mit Flachwasserzonen, der durch ein defektes Drainagerohr entstanden war. Sieben Paare des schönen Vogels siedelten sich dort an. Der betroffene Landwirt verzichtete auf die Bewirtschaftung der rund vier Hektar großen Fläche, Fördergelder aus Naturschutzmitteln glichen den Ertragsausfall aus. Durch den Nutzungsverzicht konnten die Vögel brüten und ihre Jungen aufziehen. Solche unbewirtschafteten, offenen Flächen mit Flachwasserzonen sind für die Brut und Jungenaufzucht unverzichtbar.

Unterstützung erhielt der Kiebitz durch den NABU. Unsere ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer schützten die Gelege mit Elektrozäunen vor Fressfeinden wie dem Fuchs und kontrollierten sie regelmäßig.

Auch 2024 setzte der Landwirt die Nutzung aus. Neben den Weidezäunen half der NABU in Trockenperioden auch durch die Vernässung von kleinen Senken. Diese Flachgewässer bieten den Vögeln reichlich Insekten und Würmer für die Aufzucht ihrer Jungen. Parallel zur regelmäßigen Kontrolle der Weidezäune führte der NABU ein zusätzliches Bestandsmonitoring durch. Dabei setzten wir auch moderne Technik wie eine Drohne ein (Foto 2). Trotz späterer zeitweiliger Überschwemmungen konnten am Ende der Saison etwa zehn Jungvögel flügge werden.

Das Kiebitzjahr 2025 hat wieder mit der Ankunft der Tiere begonnen, und sie haben das für sie reservierte Gebiet erneut in Besitz genommen. Bis zu 35 Exemplare konnten bereits gezählt werden, allerdings ist ungewiss, ob alle bleiben. Neben dem Weidezaun, den der NABU wieder aufgebaut hat, wurden die Kiebitze diesmal auch von der Freiwilligen Feuerwehr Sauldorf unterstützt. Wegen des trockenen Frühjahrs bewässerte sie das Gebiet in einer Hilfsaktion (siehe Instagram-Link). Außerdem konnte die Fläche für den Kiebitz ausgedehnt werden.

Sauldorf Gebietsüberblick / Foto: Manuel Dangel
Sauldorf Altvogel / Foto: Manuel Dangel

Die Bemühungen des NABU zeigen in Sauldorf erste positive Ergebnisse. Nach Jahren des Rückgangs konnte in den letzten Brutperioden eine Stabilisierung des lokalen Kiebitzbestandes beobachtet werden. Und nicht nur den Kiebitzen helfen die Maßnahmen. Auch andere Vogelarten nehmen die neu geschaffenen Rückzugsräume an.

Der Kiebitzschutz in Sauldorf zeigt beispielhaft, wie lokales Engagement im Naturschutz positive Veränderungen bewirken kann – auch wenn der Weg zum langfristigen Erhalt dieser charakteristischen Vogelart noch weit ist. Trotz der positiven Entwicklung stehen die Kiebitze in Sauldorf weiterhin vor Herausforderungen. Prädatoren wie Krähen und störende Freizeitaktivitäten in der Nähe der Brutplätze können den Bruterfolg gefährden. Der NABU appelliert daher an Spaziergänger und Hundebesitzer, während der Brutzeit besondere Rücksicht zu nehmen und die ausgewiesenen Wege nicht zu verlassen.

Die Maßnahmen und deren Erfolge zeigen, dass gezielte Naturschutzprojekte in der Region dazu beitragen, den Kiebitzbestand in Oberschwaben zu stabilisieren und zu fördern.

Literatur zum Thema:

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/portraets/kiebitz/

https://www.suedkurier.de/region/linzgau/sauldorf/kiebitze-brueten-erfolgreich-in-sauldorf;art372571,12158830

Zur Aktion der Freiwilligen Feuerwehr Sauldorf auf Instagramm: https://www.instagram.com/p/DHG3dVZsxjW/?igsh=MjN4cXQyOW13eG1n&img_index=1