Foto: NABU/Lothar Langner

Die Geschichte der Sandgrube Gertenstock bei Ursendorf beginnt bereits im Miozän. Die Ablagerungen, die die Sandgrube bekannt gemacht haben, stammen aus einer Zeit vor ca. 18 Millionen Jahren. Damals befand sich hier ein Flachwassermeer (Molassemeer).

Der Sandabbau begann in der 1. Hälfte und ging bis Ende des 19. Jahrhunderts. Dann gab es eine jahrzehntelange Pause bis er um 1970 wieder aufgenommen wurde. Durch den Abbau kam die abgelagerte Molasse unter den dünnen glazialen Deckschichten ans Tageslicht.

Im Jahre 1939 wurde ein Teil der Sandgrube als Flächennaturdenkmal mit einer Größe von 1,23 ha ausgewiesen. Eine geologische Besonderheit dieses stillgelegten Teils der Sandgrube ist eine etwa 10 Meter hohe und inzwischen nur noch 100 m von ursprünglich 150 m lange Profilwand.

Ihre Schichten enthalten Fossilien wie Haizähne, Schnecken und Muscheln. Erste Veröffentlichungen dazu stammen von etwa 1870 von Konrad Miller, der sogar einen Seeigel nach Ursendorf benannt hat. Später folgten Arbeiten aus dem Naturkundemuseum Stuttgart, wo es auch eine Sammlung mit Material aus der Grube gibt. Und es gibt einen ausführlichen Artikel „Haifischbecken Ursendorf“ in der Zeitschrift „Fossilien“.

Das ist es aber nicht, was die Sandgrube für uns als NABU so interessant macht.

Vielmehr sind durch den Schutzstatus in den stillgelegten Teilen der Sandgrube ganz nebenbei “verwilderte“ Landschaften entstanden und damit Rückzugsgebiete, Lebensräume und Habitate zur Fortpflanzung für Arten, die andernorts durch die immer intensiver vom Menschen genutzte Kulturlandschaft systematisch verdrängt werden.

Das Gebiet bietet Lebensraum für eine artenreiche Flora und Fauna. Insbesondere Wildbienen finden in den offenen Bodenstellen und gut besonnten Sandflächen ideale Bedingungen für ihre Niströhren. Offene Steilwände dienen Vogelarten wie dem Bienenfresser oder der Uferschwalbe als Brutplatz. Auch Amphibien finden in kleinen Feuchtbiotopen ihren Lebensraum. Auf die vorkommenden Insekten-, Amphibien- und Vogelarten und unsere Schutzmaßnahmen wollen wir in drei gesonderten Beiträgen näher eingehen.

Um den Lebensraum dieser bedrohten Tierarten zu erhalten, wurden in der Vergangenheit verschiedene Pflegemaßnahmen durchgeführt. So fand schon im Oktober 2015 eine Entbuschungsaktion statt, bei der die imposante Wand der Sandgrube in mühevoller Handarbeit freigelegt wurde, um sie für Wildbienen zugänglich zu machen. Im Januar 2025 starteten der NABU und der Landkreis Sigmaringen eine neue gemeinsame Aktion, um den Artenreichtum in der Ursendorfer Sandgrube zu erhalten und zu fördern. Der Gehölzaufwuchs soll zurückgedrängt werden, um die ursprüngliche Landschaft mit den notwendigen offenen Bodenstellen wiederherzustellen.

Diese Maßnahmen sind nützlich und begrüßenswert. Wir würden uns allerdings Wünschen, dass die Untere Naturschutzbehörde mehr Gebrauch von ihren gesetzlichen Möglichkeiten zum Schutz des Biotops macht und gemeinsam mit dem Betreiber Möglichkeiten findet, wie aufgelassene, bisher nicht als Naturdenkmal ausgewiesene Bereiche dem Naturschutz durch Auffüllung nicht verloren gehen, sondern als Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten langfristig erhalten werden können.

 

Hierzu erschienen sind:

https://www.researchgate.net/profile/Olaf-Hoeltke/publication/301232731_Haifischbecken_Ursendorf/links/57e2ba5308aecd0198dd7fe8/Haifischbecken-Ursendorf.pdf

https://www.schwaebische.de/regional/sigmaringen/ursendorf/rekultivierung-bedroht-paradies-fuer-wildbienen-1656460

https://www.landkreis-sigmaringen.de/de/Aktuell/Aktuelle-Meldungen/Aktuelle-Meldung?view=publish&item=article&id=4668