Bienenfresser und Uferschwalbe in Ursendorf

In der Sandgrube Gertenstock bei Ursendorf werden immer wieder seltene Vogelarten wie Braunkehlchen, Schwarzkehlchen, Neuntöter, Goldammer und Dorngrasmücke beobachtet. In diesem Artikel soll es aber vor allem um zwei Arten gehen, die uns besonders am Herzen liegen. Es sind dies der Bienenfresser und die Uferschwalbe. Beide brüten seit einigen Jahren im geschützten Teil der Sandgrube und bewohnen denselben Lebensraum.

Der Bienenfresser ist mit seinem bunten Gefieder ein auffälliger Vogel. Er stammt aus Süd- und Südosteuropa und ist ein Nutznießer des Klimawandels, da er warme Gebiete bevorzugt. In den 1980er Jahren war er in Deutschland ausgestorben, seit den 1990er Jahren brütet er wieder vor allem in den wärmeren Regionen entlang des Rheins. In Oberschwaben ist er jedoch eine ausgesprochene Seltenheit und lebt hier von Mai bis August/September. Bienenfresser sind Höhlenbrüter, die ihre Nisthöhlen in steile Erdwände graben. Diese können bis zu zwei Meter lang werden. Die Art ist geschützt.

Die ersten Nachweise von Bienenfressern am Standort Ursendorf stammen aus der Zeit um 2010/2011. Seit 2022 gibt es nachweislich eine stabile Brutkolonie. Dies ist vermutlich auf die gute Kombination von geeigneten Brutplätzen mit ihren naturnahen Strukturen und dem reichen Insektenangebot in der Umgebung zurückzuführen. Anders als der Name vermuten lässt, machen Bienen nur einen Teil der Nahrung aus. Bienenfresser jagen auch Libellen, Schmetterlinge, Heuschrecken und andere größere Insekten. Die Kolonie des Bienenfressers in Ursendorf ist nur eine sehr kleine Population. Sie ist aber die einzige im weiten Umkreis.

Foto: NABU/Angelika Krause
Foto: NABU/Angelika Krause

Die Uferschwalbe ist ein weit verbreiteter Koloniebrüter. Sie ist die kleinste europäische Schwalbenart und brütet heute vor allem in frischen Anrissen von Ablagerungen. Besonders häufig ist sie in Sand- und Kiesgruben während oder kurz nach dem Abbau anzutreffen. Uferschwalben jagen Fluginsekten über Wiesen, Feldern und in der Nähe von Gewässern. Der Bestand ist rückläufig, was vor allem auf den Mangel an Lebensraum zurückzuführen ist. Seit 2016 steht die Uferschwalbe in Baden-Württemberg auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

Die Sandgrube Ursendorf bietet ideale Bedingungen für die Uferschwalbe, die hier seit Jahrzehnten ihre ca. 70 cm langen Brutröhren in die sandigen Steilwände gräbt. Diese offenen und ungestörten Bereiche sind für die Brut dieser Vogelart von großer Bedeutung. So besteht die Brutkolonie in Ursendorf, die bereits 1964 mit ca. 50 Paaren erwähnt wurde, heute aus ca. 35 Brutpaaren, was einer in Deutschland üblichen Koloniegröße entspricht.

Der NABU setzt sich nicht nur vehement für den Erhalt dieses Lebensraumes der beiden Höhlenbrüter ein, sondern führt auch immer wieder Aktionen durch, um den Lebensraum und damit den Bestand der beiden Arten und aller anderen dort lebenden Arten zu erhalten und im Idealfall zu vergrößern. Dazu ist es auch wichtig, die Steilwände von Bewuchs freizuhalten. Deshalb führt der NABU entsprechende Aktionen durch.

Wie schwierig das Problem aber teilweise ist, zeigt das Beispiel der Höhlenbrüter. Sie benötigen für den Bau ihrer Höhlen möglichst frisch abgebrochene Steilwände. Es muss also dafür gesorgt werden, dass Böschungen abgetragen werden. In der Natur übernahmen früher natürliche Bäche und Flüsse diese Funktion an den Steilhängen. Da der Vorrat an Molasseschichten in Ursendorf aber endlich ist – auch bedingt durch den Abbau – ist die Lebensdauer dieses Lebensraumes begrenzt. In einigen Jahren werden wieder naturnahe Steilufer in der Umgebung benötigt.

Mit unseren Aktionen wollen wir Bienenfresser und Uferschwalbe wie auch vielen anderen Spezies eine – wenn auch nur zeitweise bestehende – Insel im immer knapper werdenden Lebensraum erhalten und so ihr Überleben unterstützen.

Zu diesem Thema sind Veröffentlichungen erschienen:

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/portraets/uferschwalbe/

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/portraets/bienenfresser/

https://www.schwaebische.de/regional/sigmaringen/ursendorf/rekultivierung-bedroht-paradies-fuer-wildbienen-1656460

https://www.landkreis-sigmaringen.de/de/Aktuell/Aktuelle-Meldungen/Aktuelle-Meldung?view=publish&item=article&id=4668